HANDARBEITSFIEBER I

Eine ganze Weile habe ich nichts geschrieben. Nein, ich habe nicht die Lust verloren, war nicht krank und eigentlich auch nicht richtig weg. Ich habe genäht.

Genäht? Ja. Durch die Brände in Textilfabriken ist der soziale Aspekt der Modeproduktion in den Fokus gerückt. Der Corona-Lockdown hat uns deutlich vor Augen geführt, dass Mode zum saisonalen Wegwerfprodukt geworden ist. Und durch die Diskussion um den Klimawandel ist nicht nur die Wegwerfmentalität, sondern auch der Einsatz von bedenklichen Chemikalien in den Fokus gerückt. Und nicht zuletzt haben die Achtsamkeitsbewegung und der Trend zu „du bist genug“ eine Unzufriedenheit darüber ausgelöst, dass die regulären Konfektionsgrößen nur Körpern ohne Hohlkreuz, mit nicht zu dickem oder dünnem Po, nicht allzu kräftigen Armen und mit BH Cup B so richtig passen.

Das Nähen und Stricken ist wieder modern. Upcycling, Refashioning, Visual Mending, das Aufpeppen und Individualisieren mit Plots, nachhaltig produzierte Materialien, der Tausch von Materialien, die Materialverwertung bis zum letzten Rest, die geschickte Kombination von wenigen Kleidungsstücken und Accessoirs (Capsule Wardrobe), maßgefertigte Stücke und liebevolle Details wie Perlen an Hoodiekordeln, Ettiketten und anderer sogenannter Tüddelkram und die damit verbundene höhere Wertschätzung durch den aufwändigen Arbeitsprozess liegen voll im Trend. Zusammengefasst: Slowfashion.

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