HANDARBEITSFIEBER I

Eine ganze Weile habe ich nichts geschrieben. Nein, ich habe nicht die Lust verloren, war nicht krank und eigentlich auch nicht richtig weg. Ich habe genäht.

Genäht? Ja. Durch die Brände in Textilfabriken ist der soziale Aspekt der Modeproduktion in den Fokus gerückt. Der Corona-Lockdown hat uns deutlich vor Augen geführt, dass Mode zum saisonalen Wegwerfprodukt geworden ist. Und durch die Diskussion um den Klimawandel ist nicht nur die Wegwerfmentalität, sondern auch der Einsatz von bedenklichen Chemikalien in den Fokus gerückt. Und nicht zuletzt haben die Achtsamkeitsbewegung und der Trend zu „du bist genug“ eine Unzufriedenheit darüber ausgelöst, dass die regulären Konfektionsgrößen nur Körpern ohne Hohlkreuz, mit nicht zu dickem oder dünnem Po, nicht allzu kräftigen Armen und mit BH Cup B so richtig passen.

Das Nähen und Stricken ist wieder modern. Upcycling, Refashioning, Visual Mending, das Aufpeppen und Individualisieren mit Plots, nachhaltig produzierte Materialien, der Tausch von Materialien, die Materialverwertung bis zum letzten Rest, die geschickte Kombination von wenigen Kleidungsstücken und Accessoirs (Capsule Wardrobe), maßgefertigte Stücke und liebevolle Details wie Perlen an Hoodiekordeln, Ettiketten und anderer sogenannter Tüddelkram und die damit verbundene höhere Wertschätzung durch den aufwändigen Arbeitsprozess liegen voll im Trend. Zusammengefasst: Slowfashion.

HOCHZEIT

Eine kurze Geschichte

Es ist einer dieser älteren Züge. Mit breiten bequemen Sitzen in den Abteilen und Vorhängen vor der Scheibe zum Gang. Jetzt heiratet die dritte Freundin aus unserem Kleeblatt. Nur ich bin noch übrig. Mit einem Anflug von Melancholie schaue ich aus dem Fenster. Seit wenigen Minuten rollt der Zug. Sonnenbeschienene Felder und vereinzelte Häuser ziehen vorbei.

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MONSTERSCHNECKE

Ursprünglich war die Monsterschnecke als Illustration des Beitrags Kopfkarussell gedacht. Verworfen habe ich sie, weil sie sich lediglich auf einen kurz angeschnittenen Teilaspekt des Artikels bezieht, nicht aber auf das eigentliche Thema. Die finale und passendere Illustration hatte ich auch schon im Kopf. Dennoch gefällt mir die Monsterschnecke an sich gut. Sie ist ein ganz eigenes Thema.

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MASCHINEN

Rezension: Maschinen wie ich

Wenige Themen beflügeln in dem Maße unsere Phantasie und laden zu Vor-Urteilen ein, wie es die Künstliche Intelligenz tut. Nimmt sie uns Arbeitsplätze weg? Wird sie uns mehr schaden oder nutzen? Wird sie uns eines Tages überlegen sein? Wie wird sich das zwischenmenschliche Verhältnis von Mensch und Maschine gestalten? Zeit, einen Blick in die Literatur jenseits der typischen Sci-Fi-Weltuntergangszenarien zu werfen.

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GEDICHTVERSUCH

Mir spukt eine tolle Idee für ein Gedicht zum Thema „Vorurteile“ im Kopf herum. Nur leider habe ich überhaupt keine Ahnung vom Gedichte schreiben. Strophen bekomme ich noch halbwegs hin. Aber was ist mit Metrik? Hege ich nach „leckerer Kokoskeks für daheim oder unterwegs“ (Der kleine Drache Kokosnuss) zu Unrecht eine Reimphobie? Und ist es legitim, die letzte Strophe so verstümmelt stehen zu lassen?

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KINDERBETREUUNG

Brief an einen Politiker

Sehr geehrter Herr K.,

ich habe Ihr Portrait in der Zeit gelesen. Die Themen, für die Sie sich einsetzen, finde ich durchaus gut. Nur über eines ärgere ich mich maßlos: die Kinderbetreuung kostenlos machen. Zugegeben, es ist nicht das erste Mal und ich könnte mich genauso gut an einen anderen Ihrer Politikerkollegen wenden. Mich hat jedoch der etwas seltsame Absatz des Porträts über die Impulskontrolle inspiriert. Deshalb frage ich SIE: Sind die Kosten wirklich das drängendste Problem bei der Kinderbetreuung?

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