WALDSCHRAT

INTERVIEW MIT EINEM EREMITEN MIT KATZEN

Marc hat vor vier Jahren seine Wohnung am Rande einer mittelgroßen
Stadt verkauft und ist in ein kleines Häuschen in einem winzigen Weiler gezogen. Kurz darauf hat seine Katze einen Wurf Junge bekommen. Seit dem Umzug habe ich ihn nicht mehr zu Gesicht bekommen, dafür um so mehr Katzenfotos per E-Mail. Jetzt will ich seinen Lebensstil etwas genauer erkunden.

Lieber Marc, als Kind fand ich das Stereotyp der etwas wunderlichen Frau, die mit ihren zahlreichen Katzen allein in ihrem Häuschen lebt, spannend. Abgesehen davon, dass du keine Frau bist, kommst du diesem Bild recht nahe. Kennst du diesen Stereotypen?

Ja, das kommt mir irgendwie bekannt vor. Allerdings finde ich diese Leute gar nicht wunderlich. Das sieht nur für den Außenstehenden so aus. In Wirklichkeit ist es harte Arbeit! Das fängt schon morgens mit dem Füttern der Katzen und Vögel an. Es kann aber schon sein, dass man gelegentlich laut vor sich hin brabbelt, auch wenn man zum Beispiel beim Einkaufen im Supermarkt ist.

Begegnet man diesem Stereotypen in der Zeitung, stößt man oft auf viel Einsamkeit.

Die Zeitungen wollen ja eh immer nur Negatives berichten, da muss man gar nicht drauf hören.

Diese Geschichten sind tatsächlich Metier der Boulevard- und Lokalzeitungen. Ich hatte die Titelzeile „Frau lag drei Monate tot in ihrer Wohnung“ im Kopf. Diese Frau hat natürlich total vereinsamt mit ihren siebzehn Katzen in einer verwahrlosten Wohnung gehaust.

Das erinnert mich ein wenig an meine Nachbarin, die tatsächlich dieses Jahr gestorben ist und es wurde erst später bemerkt. Ich weiß nicht, ob sie Katzen hatte, aber es war eigentlich recht ordentlich in ihrem Haus.

In Geschichten ist das Stereotyp positiver besetzt. Oft stellt sich heraus, dass diese Frauen sympathische Hexen sind. Wie schaut es bei dir aus? Hast du schon irgendwelche ungewöhnlichen Fähigkeiten entwickelt?

Ungewöhnliche Fähigkeiten habe ich noch nicht an mir entdeckt. Ich wollte aber mal die „geheime“ Sprache der Vögel lernen, bin aber erst bei Seite sieben von dem Buch.

Ich hoffe du gibst mir ein Update, wenn du durch bist… Ich habe dich seit Jahren nicht mehr gesehen und vermute, dass es auch andern so geht. Wie hat deine Entscheidung die Beziehung zu deinen Freunden, Verwandten und Kollegen verändert? Und wie stehen diese Menschen zu deiner Entscheidung?

Ich war schon immer ein Einsiedler. Ich denke, die meisten verstehen es schon, wenn ich ihnen erkläre, dass ich nicht mehr so viel Zeit habe wie früher und/oder lieber zuhause gemütlich auf der Terrasse sitze und etwas lese oder programmiere, als auf der Autobahn im Stau zu stehen und die Umwelt zu schädigen.

Ein paar Leute besuche ich ja normalerweise auch noch. Ansonsten bieten meine Katzen immer eine gute Ausrede irgendwo nicht hinzufahren. Ein Freund hatte mich zu seinem Geburtstag eingeladen, aber ich musste wegen meiner Tiere absage, da die Feier abends stattfand. Die besten Freunde bleiben einem ja erhalten, auch wenn man sich nicht mehr so oft sieht.

Meine Kollegen haben schon früher selbst zum Teil mehrere Tage pro Woche von zuhause aus gearbeitet, das heißt in der Firma war es schon länger nichts besonderes und in der Corona-Krise haben alle drei Monate zuhause gearbeitet. Unser Team ist sogar gelobt worden, dass wir trotz Home-Office so produktiv waren. Das hat natürlich Auswirkungen auf die Zukunft. Home-Office wird eher zum Normalfall werden. Und das ist wiederum gut für mich, denn ich möchte gar nicht mehr jeden Tag ins Büro fahren! Bisher bin ich einmal im Monat in die Firma gefahren und wenn die Corona-Sache vorbei ist, werde ich das auch wieder tun, ist ja auch ganz gut wenn man sich mal wieder sieht.

Was hat dich dazu bewogen das Einsiedlertum zu wählen und dich mit Katzen, statt mit Menschen zu umgeben?

Ich habe schon als Kind oft alleine gespielt oder gelesen. Natürlich habe ich auch mit anderen Fußball gespielt, aber meine eigentlichen Interessen waren oft außerhalb der „Normalität“ (Elektronik, Chemie, etc.) und ich war eine Leseratte. Ich erinnere mich an einen Spanienurlaub, wo ich in ein Buch vertieft am Strand gelegen bin.

Vor zwanzig Jahren habe ich mir dann ein Cabrio zugelegt und angefangen die Umgebung zu erkunden. Das hat super Spaß gemacht und ich bin sehr oft durch die ganzen Dörfer und die Natur gefahren. Irgendwann habe ich mir vorgenommen, aufs Land zu ziehen, weil es mir viel mehr gefiel als die Stadt: die Luft, die Ruhe, die Tiere. Ich nahm mir vor es in die Tat umzusetzen, wenn es auch auf dem Land schnelles Internet gibt.

Katzen scheine ich magisch anzuziehen. Nachdem ich hierher gezogen war, hat es nur ein paar Tage gedauert, bis ein schwarzer Kater (Kartäuser) kam. Dann hatte mich ein Kollege gefragt, ob ich eine von seinen Katzen haben möchte und ich dachte, dass es auf eine mehr oder weniger auch nicht ankommt. Nach einem halben Jahr war sie trächtig. Ich hatte zu spät dran gedacht, sie operieren zu lassen. Bald hatte ich also fünf Katzen. Der schwarze Kater kommt nur noch gelegentlich im Winter.

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