VORLESER

Im ersten Teil der Miniserie zum Thema „Vorlesen“ geht es um Grundsätzliches: liest DU eigentlich vor? Oder gehörst du zu den erschreckend vielen Menschen, Müttern und Vätern, die sich nicht trauen?

Na, hast du den Babyaffen meines Sohnes erkannt? Findet er jemanden, der ihm vorliest? Mehr von Babyaffen gibt es im Gedicht Babyaffe.

„Die Mama liest euch vor, ich kann das nicht so gut!“ ist ein Satz, den ich häufig höre und – ich gebe es zu – anfänglich auch selbst gedacht habe. Aber nunja, man macht es dann halt trotzdem. Soll ja wichtig sein für die kindliche Entwicklung und so. Und mit dieser Gedankenfolge sind wir vermutlich nicht allein. Aber warum eigentlich?

Laut der Vorlesestudie 2016 las in ebendiesem Jahr ein Drittel der Eltern ihren Kindern zu selten vor.1 Leider scheinen sich in erster Linie die Mütter aufzuraffen. In der Vorlesestudie 2019 kam heraus, dass 58 Prozent der Väter selten oder nie vorliest.2

Keine gute Vorlesestimme? Leichtes Lispeln? Zu stockendes Lesen? Zu viele Versprecher? Es ist Zeit die eigenen Vorurteile gegenüber sich selbst fallen zu lassen und die Selbstetikettierung zu überdenken.

2016 gefiel es 91 Prozent der Kinder gut, wenn ihnen vorgelesen wurde. Und das unabhängig des Kindesalters, des Bildungsgrades und der Sprache des Haushalts. Die übrigen 9 Prozent der Kinder gaben vor allem Gründe wie den falschen Zeitpunkt oder eine langweilige Geschichte an. Extrem selten lagt es am Vorleser. Jedes zweite der Kinder, denen selten oder nie vorgelesen wurde, wünschte sich, dass ihm öfter vorgelesen wird.1

Vorlesen kann eigentlich jeder. Probier es doch einfach aus! Beginne mit Kindern. Kinder sind dankbare Zuhörer. Sie werden es lieben, egal wie oft du ins Stocken gerätst, egal wie oft du dich verhaspelst, egal wie viele Fehler dir in deiner „Performance“ unterlaufen.

Bevor du deiner Topfpflanze vorliest, weil du keine Kinder zur Hand hast und dein Partner statt zuzuhören lieber am Computer zockt, frag doch mal deine Freundin. Sie legt sich sicher gerne in die Badewanne oder geht joggen, während du ihren Kindern vorliest.

Kinder schätzen beim Vorlesen vor allem die Atmosphäre und die Nähe zu den Eltern.1 Die Geschichten regen die Kinder an, von sich zu erzählen. Das ist für Eltern ein guter Einstiegspunkt, in die Lebenswelt des Kindeseinzutauchen.3

Gute Atmosphäre, Nähe, sich voneinander erzählen und in die Lebenswelt eines anderen eintauchen ist nicht nur beim eigenen Kind wichtig. Vielleicht hast ja Lust deinem Partner einmal etwas vorzulesen oder dir etwas vorlesen zu lassen? Und wäre nicht ein gemeinsamer Vorleseabend mit Freundinnen mal was anderes?

Und was deine Bedenken angeht: keine Angst! Mit der Zeit wirst du besser. Dir werden neue Ideen kommen. Irgendwann stellst du erstaunt fest, dass Vorlesen sogar Spaß macht!

Hinterlasse mir einen Kommentar mit deinen Vorleseerfahrungen. Wo und wem liest du am liebsten vor?

Im zweiten Teil der Miniserie stelle ich ein prima Buch für deinen Vorlesestart vor. Motivation und Tipps gibt es dann im dritten und letzten Teil.

Quellen:

1 Wochenzeitung DIE ZEIT, Deutsche Bahn Stiftung und Stiftung Lesen: Vorlesestudie 2016, unter https://www.stiftunglesen.de/forschung/forschungsprojekte/vorlesestudie. Repräsentative Befragung von 521 Kinder im Alter von 5 bis 10 Jahren und ihrer Mütter.

2 Wochenzeitung DIE ZEIT, Deutsche Bahn Stiftung und Stiftung Lesen: Vorlesestudie 2019, unter https://www.stiftunglesen.de/forschung/forschungsprojekte/vorlesestudie. Repräsentative Befragung von Eltern mit Kindern im Alter von 2 bis 8 Jahren.

3 Danielle Graf und Katja Seide: 27. Warum Kindern vorlesen so wichtig ist [Audio Podcast], in Das gewünschteste Wunschkind – der Podcast, 17. 12.2019, https://open.spotify.com/show/5JGtseedumnUHh7Ack1g47

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