MARSIANISCH

Heute möchte ich mir einen Dialog vornehmen, den ich so oder in ähnlicher Form schon unendlich oft geführt habe. Protagonist und Problem sind variabel und in diesem Fall frei erfunden:

„Weißt du, dass es Jan sehr schlecht geht? Seine Frau will sich von ihm scheiden lassen.“ – „Ja, ich weiß.“ – „Woher? Hat er mit dir darüber gesprochen?“ – „Ähm, nein, aber ich habe es vermutet.“

Kürzer und einfacher wäre er gewesen, wenn ich nur meinen letzten Satz gesagt hätte:

„Weißt du, dass es Jan sehr schlecht geht? Seine Frau will sich von ihm scheiden lassen.“ – „Ich habe es vermutet.“

Das Wort „vermuten“ habe ich intuitiv nicht verwendet, weil es für mich nicht passt. Ich habe mir ja nichts wild zusammen gereimt. Irgendwie „weiß“ ich von dem Problem, ohne dass es mir direkt gesagt wurde. Das Wort „wissen“ hingegen passt für meine Gesprächspartnerin nicht. Und ich kann ja auch keine real existierende Informationsquelle nennen, die sie gelten lassen würde. Was aber wäre eine gute Antwort? „Ja, ich habe empfangen.“? Dann würde man mich vermutlich für einen Marsmenschen halten. Vielleicht „Ich habe gespürt.“? Ooooohm.

Krokodile sind immer grün und Küken immer gelb. Oder?

„Kunterbunt, na und? Meine ersten Farben“ ist ein unkaputtbares Baby Pixi vom bekannten Kinderbuchillustrator Guido von Genechten. In einfachen Reimen geht es um erste Farben und um das anders sein.

Die Bilder sind schlicht gezeichnet, aber nicht zu verkünstelt. Für die etwas älteren Kinder gibt es lustige, aber unaufdringliche Details zu entdecken.

Das Beitragsbild wurde inspiriert von Guido van Genechten: „Kunterbunt, na und? Meine ersten Farben“, Carlsen, Hamburg 2016, 16 Seiten, 2,99 Euro.

Letztendlich ist der Dialog jedoch nur der oberflächliche Ausdruck eines Problems. Die Frage dahinter ist, was man mit einer solchen Nicht-Information anfängt. Hätte ich Jan ansprechen und ihm meinem Beistand anbieten sollen? Wohl eher nicht, denn wenn er wollte, dass ich von seinen Eheproblemen weiß, hätte er mir davon erzählt. Oder nicht? Und würde ich nicht meine Gesprächspartnerin, mit der er offensichtlich gesprochen hat, in Verdacht bringen Vertrauliches weiter getratscht zu haben?

Also schweigen und so tun als wüsste ich von nichts? Auch schwierig. Frü mich und mein Gewissen zumindest

Vielleicht hätte ich Jan einfach nur fragen sollen, wie es ihm geht?

Kennst du das Problem? Hast du einen guten Vorschlag? Schreib ihn als Kommentar unter diesen Beitrag oder an tina@gernus-umd-merund.de.

Veröffentlicht von

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.